Das ist aber eine Überraschung! Sie laden die besten Chefs dieses Jahr nicht in den Garten, sondern zu einer GaultMillau Christmas Party.

Die GaultMillau Garden Party hat eine gewisse DNA. Mundschutz und Social Distancing-Kontrolle gehören nicht dazu. Deshalb ist uns seit ein paar Tagen klar, dass wir die Garden Party im Corona-Jahr nicht in gewohnter Form durchführen können. Wir wollen Zeit gewinnen und feiern erst am 6. Dezember: Christmas Party, im Grand Resort Bad Ragaz, wie gewohnt mit einem grossartigen Line-up, mit den besten Köchen.

 

Bei der unkomplizierten Formel bleibt es: Keine Tischordnung, keine Krawatten, keine Reden, nur viel Spass und aussergewöhnlich gutes Essen.

Vereinfacht gesagt: Wir feiern einfach drinnen, statt draussen. Der glanzvoll umgebaute «Quellenhof» mit Restaurants, Lobby, Bar und Küche wird unsere Party-Meile sein. Aussergewöhnlich gut essen werden wir auch: Die ersten 19-Punktechefs haben bereits zugesagt, und einige besonders begabte Nachwuchsköche wollen wir unseren Gästen auch vorstellen.

 

Wie kommt man zu Tickets? Die sind ja jedes Jahr ziemlich heiss begehrt.

Im August stellen wir das finale Line-up vor. Dann beginnt auch der Ticketverkauf. Kleiner Tipp: Den GaultMillau Newsletter abonnieren, dann kriegt man rechtzeitig alle Informationen.

 

Gibt es eigentlich auch dieses Jahr einen neuen Guide GaultMillau, trotz Corona?

Zunächst: Es gibt im Moment wichtigere Themen als den GaultMillau. Sollte sich die Lage aber einigermassen beruhigen, ist absagen auch für den Guide keine Option. Sobald der Lockdown vorbei ist, geben wir Vollgas – und im November wird die neue Ausgabe erscheinen. Natürlich gibt es auch einen Plan B. GaultMillau Schweiz hat als einziger Food-Guide in Europa eine starke Online-Lösung: Auf dem GaultMillau Channel sind wir blitzschnell, haben keinen Termindruck. Die digitale Ausgabe des Guides ist gesichert.

19-Punkte-Chefs

Alle 19-Punkte-Chefs auf einem Bild. Viele von ihnen kochen auch am 6. Dezember in Bad Ragaz. 

Kann man Köche in einem Krisenjahr überhaupt testen?

Natürlich. Sehr viele Tests sind bereits geschrieben, spannende Entdeckungen gemacht. Und wenn die Restaurants wieder öffnen, schwärmen die Tester wieder aus. Es ist alles gut vorbereitet. Erfahrungsgemäss kann man Küchen sehr schnell wieder hochfahren, das zeigen uns die Saisonbetriebe jedes Jahr zweimal. Natürlich machen wir uns auch Sorgen. Nicht alle Restaurants werden die Corona-Krise überleben.

 

Sind die Tester in einem Krisenjahr milder gestimmt?

Eigentlich nicht. Für die Leistung eines Chefs und für Qualität gibt es nur einen Massstab. Aber natürlich haben wir Verständnis für die schwierige Situation: Wer dieses Jahr mit einer kleineren Karte oder einem kleineren Team arbeitet, kriegt mit uns keine Probleme. Wir sind ja eh nicht als Scharfrichter unterwegs. Ganz im Gegenteil: Wir sind in erster Linie Übermittler froher Food-Botschaften, wollen unseren Leserinnen und Lesern möglichst viele tolle Köche vorstellen. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass das Leben in Hotels und Restaurants weitergeht.  Möglichst schnell und möglichst gut.

 

 

Was macht eigentlich ein GaultMillau-Chef, wenn er monatelang keine Restaurants testen kann?

Homeoffice. Ich arbeite von zu Hause aus, wie es sich für einen älteren Herrn gehört. Allerdings arbeiten wir alle sehr intensiv: Wir geben auf www.gaultmillau.ch Vollgas, unterstützen auf unserem Channel alle, die sich in diesen schwierigen Zeiten nach Lösungen suchen und uns mit neuen Konzepten überraschen. Wir haben während des Lockdowns sehr viele User auf dem Channel. Weil wir eine Art Kontrastprogramm sind zu den vielen «bad news» auf allen anderen Kanälen.

 

Sie wollen die Branche auch in schwierigen Zeiten unterstützen.

Klar, wir sehen uns als Partner der Branche. Wir sind kein Wanderzirkus, der einmal im Jahr das grosse Zelt aufschlägt, den gesponserten Champagner ausschenkt und dann wieder weiterzieht. Der GaultMillau ist für seine Köche und für die Feinschmecker-Szene da. 365 Tage im Jahr. In guten und in schlechten Zeiten. Wir werden den Neustart nach dem Lockdown mit voller Kraft unterstützen.

 

Die Köche helfen auch dem GaultMillau-Channel.

Ja, und dafür sind wir sehr dankbar. Der GaultMillau-Channel ist auch der Channel der Chefs. Unsere Teams sind willkommen in den Küchen, können Videos drehen und kriegen tolle Rezepte. Das ist einzigartig und ist wohl das Erfolgsgeheimnis unserer Plattform. Der Channel wächst und wächst. Auch dank der Unterstützung der Chefs.

 

Während des Lockdowns stehen plötzlich wieder Menschen in der Küche, die sich erfolgreich vor dem Kochen gedrückt haben und jetzt trotzdem an den Herd müssen. Mit mässigen Kenntnissen.

Richtig. Cook@Home ist das Thema der Stunde, und die Kids daheim am Tisch sind gnadenloser als jeder GaultMillau-Tester. Unsere besten Köche helfen: Mit eher einfachen Rezepten. Mit hilfreichen Rezeptvideos. Dafür brauchte es etwas Überzeugungsarbeit: Chefs zeigen am liebsten ihr Paradegericht; wir möchten momentan eher das Rezept für die perfekte Omelette und fürs Hacktätschli.

 

Viele Chefs setzen auf Take-away und Home Delivery.

Zum Glück, und natürlich kaufe ich bei ihnen auch regelmässig ein. Ich glaube nicht, dass die Chefs mit ihren Take-aways reich werden, auch wenn sie zum Teil förmlich überrannt werden. Aber sie erleichtern uns in schwierigen Zeiten das Leben. Die Gäste werden es ihnen danken, sobald die Restaurants wieder offen sind.

 

Wie muss man sich das Restaurant-Leben nach dem Lockdown vorstellen?

Meine Prognose: In den Top-Restaurants zumindest wird es nach der Wiedereröffnung zu einem Grossansturm kommen. Die Feinschmecker haben «ihre» Restaurants sehr vermisst. Franck Giovannini in Crissier etwa wird bereits jetzt mit Anfragen förmlich überrannt. Zum Problem wird vielerorts das eingeschränkte Platzangebot. Wir Gäste können unseren Beitrag leisten, indem wir klaglos akzeptieren, dass künftig in einigen Restaurants in zwei Services gegessen wird. Wie seit Jahren in New York oder im Winter in den Skihütten von Zermatt und St. Moritz.

 

>>  Fotos: Thomas Buchwalder, Lucia Hunziker, Pascal Wasinger